Die bayerische Wirtschaft

Deutschland hat Zukunft

OnlineKongress Aktionsrat Bildung 2021

Führen im Bildungssystem

Gute Leitung, gute Schüler?

Für den Schulbereich gibt es verschiedene Studien, die die Rolle der Führungsqualität für die erzielten Bildungsergebnisse empirisch belegen. Dabei wird deutlich, dass insbesondere die Autonomie über Personal und akademische Inhalte, die Ausrichtung auf und Überprüfung von Lernergebnissen sowie die Nutzung von Anreizsystemen mit besseren schulischen Ergebnissen einhergehen. Führung wirkt sich dabei nicht direkt auf die Bildungsergebnisse aus, sondern vermittelt über entsprechende Änderungen von Strukturen und Personen, die auf bessere Ergebnisse hinwirken.


Mehr dazu im Gutachten auf S. 22 und S. 56

Grundschulen: Will denn niemand führen?

Grundschulleitungen sind neben ihren umfangreichen Leitungsaufgaben auch noch in hohem Umfang selbst als Lehrkräfte aktiv. Das Erteilen von Unterricht stellt mit 26 Prozent den zeitlich umfassendsten Tätigkeitsbereich dar. Im Vergleich zu weiterführenden Schulen sind die Schulleitungen an Grundschulen zudem in besonders hohem Maße mit Personalmangel konfrontiert. Dieser geht für die Leitungskraft mit einem erhöhten Arbeitsaufwand einher, da z. B. die Einstellung und Einarbeitung von Seiten- und Quereinsteigern notwendig wird. Darüber hinaus kann auch gerade die Tatsache, dass es sich bei Grundschulen in der Regel um vergleichsweise kleine Schulen handelt, für die Leitung mit einem hohen Arbeitsaufwand einhergehen: Durch eine geringe Größe des Kollegiums gibt es wenig Möglichkeiten zur Delegation von Aufgaben. Auch weitere Ressourcen (z. B. ständig besetztes Sekretariat, anwesender Hausmeister) sind in begrenzterem Umfang verfügbar als an großen Schulen.

Diese vielfältigen Herausforderungen schlagen sich in einer niedrigen Arbeitszufriedenheit nieder: Nur 53 Prozent der Grundschulleitungen übten ihren Beruf zum Zeitpunkt der forsa-Befragung 2019 „sehr gerne“ aus, 42 Prozent „eher gerne“ und sechs Prozent „eher“ beziehungsweise „sehr ungerne“ (vgl. forsa 2019).

Festzuhalten ist, dass aktuell eine substanzielle Anzahl an Schulleitungsstellen im Grundschulbereich nicht besetzt ist. Insgesamt ist die Notwendigkeit gegeben, die Attraktivität der Position der Schulleitung an Grundschulen zu steigern – sowohl um freie Stellen besetzen als auch um eine Auswahl der Besten durchführen zu können.

Eine höhere Attraktivität kann durch verschiedene Maßnahmen unterstützt werden. Vor diesem Hintergrund empfiehlt der Aktionsrat Bildung:

  • Positions- und leistungsabhängige Anpassung der Vergütung von Leitungstätigkeiten,
  • ​​​Entlastung vom Lehrdeputat,
  • Flexibilisierung der Arbeits(zeit)modelle,
  • Ausbau der Professionalisierungsangebote für Schulleitungen.


Mehr dazu im Gutachten ab S. 111

Starke Leitung, gute Schule?

Für die Verfasstheit vieler Organisationen im Bildungswesen typisch ist ein starkes Kollegialprinzip. Die Leitung wird traditionell eher als „primus inter pares“ angesehen und hat auch formell weniger Durchgriffs- und Gestaltungsmöglichkeiten als dies z. B. Führungskräfte in Unternehmen haben. So fehlen an Schulen wichtige Führungsinstrumente, wie z. B. die Möglichkeit, das Personal selbst auszuwählen oder finanzielle Anreize für die Erbringung besonderer Leistungen zu setzen.

Diese relative Führungsschwäche wird der Komplexität der Anforderungen an die Leitung insbesondere an großen Schulen nicht gerecht. Der Aktionsrat Bildung empfiehlt daher zum einen, die indirekte Führung („Führung durch Strukturen“) an Schulen zu stärken. Zum anderen sollten die Führungsstrukturen in Bildungseinrichtungen systematisch erweitert und auf mehrere Personen verteilt werden (funktionale Differenzierung der Leitungsfunktion). Folgende Möglichkeiten werden im Gutachten diskutiert:

  • Personelle Trennung pädagogischer und administrativer Aufgaben,
  • Einführung einer mittleren Führungsebene,
  • Zeitliche Aufteilung der Leitungsfunktion (Jobsharing-Modelle),
  • Stärkung der Arbeitsteilung mit dem Sachaufwandsträger.


Mehr dazu im Gutachten auf S. 17ff.

Das Best-of des OnlineKongresses

NEU Gutachten 2021

Führung, Leitung, Governance:
Verantwortung im Bildungssystem

In der Wirtschaft ist Führungskompetenz als Erfolgsfaktor längst eine feste Größe. Auch die Bildungsforschung findet eindeutige Belege dafür, dass sich gute Führung positiv auf die Bildungsergebnisse auswirkt.
Der Aktionsrat Bildung widmet sich in seinem neuen Gutachten der Frage, wie die Führung von Bildungseinrichtungen effizienter gestaltet werden kann.
Aus seiner Analyse leitet das Gremium allgemeine sowie bildungsphasenspezifische Handlungsempfehlungen ab und richtet diese an die politischen Entscheidungsträger.

Das Gutachten wurde am 21. April 2021 im Rahmen des OnlineKongresses der Öffentlichkeit vorgestellt.

Zusammenfassung des OnlineKongresses

Wolfram Hatz, Präsident der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., eröffnete die Veranstaltung und erklärte: „In der Wirtschaft ist Führungskompetenz als Erfolgsfaktor längst eine feste Größe. Dagegen sind Führungskräfte in deutschen Bildungseinrichtungen oft weder ausreichend qualifiziert, noch verfügen sie über wirksame strukturelle Führungswerkzeuge. Das ist umso alarmierender, als die Bedeutung guter Führung für die Effektivität von Bildungseinrichtungen empirisch nachgewiesen ist: Gute Führung hat bessere Bildungsergebnisse zur Folge. Diese wiederum haben deutliche Auswirkungen auf das wirtschaftliche Wachstum und den Wohlstand einer Gesellschaft“.

Schulen ohne Leitung als zentrales Problem: Führungspositionen müssen attraktiver werden

Als zentrale Probleme der Führung von Bildungseinrichtungen werden im Gutachten die Überlastung des Führungspersonals und die hohe Zahl an unbesetzten Leitungsstellen identifiziert. Auch die unzureichende Vorbereitung und Begleitung der Führungskräfte sowie zum Teil ungenügende Kompetenzen für generelle Führungsaufgaben werden als problematisch bewertet. Die vortragenden Mitglieder des Aktionsrats Bildung stellten geeignete Maßnahmen vor, um diesen Problemen zu begegnen und die Führung von Bildungseinrichtungen attraktiver und effizienter zu gestalten.

Führung in Bildungseinrichtungen zukunftsweisend gestalten

Im Rahmen einer Gesprächsrunde diskutierten Vertreter*innen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zentrale Ergebnisse und Empfehlungen der Studie. Der Schwerpunkt der Diskussion lag auf den Bildungsbereichen Schule, berufliche Bildung und Hochschule.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand wiederholt die drängende Frage, wie sich die Attraktivität von Führungspositionen steigern lässt. Prof. Dr. Tina Seidel, Dekanin der TUM School of Education und Mitglied im Aktionsrat Bildung, betonte die hohe Bedeutung erweiterter Entscheidungsspielräume für Schulleitungen. Ebenso sprach sie sich für die Einführung gemeinsamer Standards und die Schaffung systematischer Qualifizierungsmöglichkeiten in der Fläche aus. Auch der bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus, Herr Prof. Dr. Michael Piazolo, wies darauf hin, dass insbesondere durch das Modell der geteilten Führung von Schulen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleistet werden könne und Führungspositionen hierdurch deutlich an Attraktivität gewinnen.

 

Vorsprung durch Bildung
Wolfram Hatz, Präsident, vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., München

Führung und Verantwortung im Bildungssystem
Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Lenzen, Vorsitzender des Aktionsrats Bildung, Präsident der Universität Hamburg

Führung, Leitung, Governance in Bildungseinrichtungen
Mitglieder des Aktionsrats Bildung

Psychologische Aspekte von Führung
Prof. Dr. Bettina Hannover, Leiterin des Arbeitsbereichs Schul- und Unterrichtsforschung im Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie, Freie Universität Berlin

Führung, Leitung, Governance in der Primar- und Sekundarstufe
Prof. Dr. Tina Seidel, Dekanin der TUM School of Education, Inhaberin des Lehrstuhls für Pädagogische Psychologie, Technische Universität München

Führung, Leitung, Governance in der beruflichen Bildung
Prof. Dr. Karl Wilbers, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Veränderung von Führungs- und Steuerungsaufgaben im schulischen Bereich
Britta Ernst, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Berlin, Ministerin für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, Potsdam

Gesprächsrunde: Führung in Bildungseinrichtungen zukunftsweisend gestalten
Prof. Dr. Michael Piazolo, Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus, München
Heinz-Peter Meidinger, Präsident, Deutscher Lehrerverband, Berlin
Dr. Marko Hunger, Schulleiter, Berufliche Oberschule Rosenheim
Prof. Dr. Tina Seidel
Dr. Christof Prechtl, stellvertretender Hauptgeschäftsführer, vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., München

Moderation: Dr. Jan-Martin Wiarda, Journalist für Bildung und Wissenschaft

Lesen Sie auch unser Kurzgutachten

Nachhaltigkeit im Bildungswesen – was jetzt getan werden muss

Im Februar hat der Aktionsrat Bildung ein Kurzgutachten zum Thema „Nachhaltigkeit im Bildungswesen“ veröffentlicht.
Auf der Grundlage empirischer Ergebnisse verdeutlicht das Gremium, dass Bildung zu nachhaltiger Entwicklung (BNE) nicht nur die Vermittlung von Wissen, sondern vor allem auch den Erwerb von Kompetenzen und Motivationen für nachhaltiges Handeln fokussieren muss. Das Gutachten gibt einen Überblick über die Verankerung von BNE in den Bildungsvorgaben und geht auf den aktuellen Stand der Umsetzung ein. 
Als zentrales Element seiner Analyse benennt der Aktionsrat Bildung konkrete Handlungsempfehlungen und richtet diese an politische Entscheidungsträger.

ab 29.04.2020

Bisherige Veröffentlichungen

Seit 2005 bewerten die Mitglieder des Aktionsrats Bildung die gegenwärtige Situation im deutschen Bildungssystem auf Basis von umfassenden Expertisen. Lernen Sie die Mitglieder und die Aktivitäten seit Gründung des Aktionsrats jetzt kennen.